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Die neue Fähre beim Stabilitätstest. Das Deck ist einseitig mit 2 Tonnen belastet und der Backbord-Rumpf geflutet. Nun lasten 7 Tonnen Gewicht auf einer Seite. Die Gutachter der Schiffsuntersuchungskommision beobachten den Vorgang kritisch.

Da ist sie

Die neue „Hardenstein“ ist da und für den Fährverkehr freigegeben worden. Schrittweise wird sie den Fährbetrieb von ihrer kleinen Schwester übernehmen, die in den nächsten Tagen allerdings noch weiterhin die Hauptlast tragen wird.

Noch ohne Fenster und Beschriftungen sieht das Schiff etwas unfertig aus, doch bei 35 Grad im Schatten können Fährleute und Gutachter darüber leicht hinwegblicken. Eine leichte Brise im Steuerhaus ist da jedem willkommen.

Am Mittwoch, den 15. Juli, wurde die neue Ruhrtalfähre nach einem 6 Monate dauerndem Umbau wieder zu Wasser gelassen. Bereits am nächsten Tag bescheinigten ihr die Gutachter der SUK die Seetauglichkeit und erteilten sogar eine Zulassung als Fahrgastschiff auf Bundeswasserstraßen, was wesentlich höhere Anforderungen an das Fahrzeug und die Ausstattung stellt, als bisher.

Zulassung erhalten

Die aufwendigste Untersuchung im Zulassungsverfahren war der „Stabilitätstest“, der simuliert, wie sich das Schiff verhält, wenn sich alle Passagiere auf eine Seite stellen und zusätzlich Wasser in den Rumpf eindringt. Hierzu wurden zwei 1000-Liter-Wasserbehälter auf eine Seite gestellt und dann Flusswasser in diese Seite des Rumpfes gepumpt, was die Fähre in beachtliche Schräglage brachte.
Nicht wenige Passanten missdeuteten den Anblick und glaubten schon an einen Unfall – doch Entwarnung: das war nur ein Test.
Nachdem mehrere Pumpen drei Stunden lang Wasser in das Schiff laufen ließen, zeigte sich, dass vorläufig eine Zuladung von 30 Personen mit Fahrrädern möglich ist. Nach zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen, die das Eindringen von Wasser weiter verhindern, wird die Fähre dann die gewünschte Zahl von 49 Personen befördern können (ab 50 Personen gelten noch strengere Vorschriften).

Prüfung der Fährleute

Schon am darauf folgenden Freitag erschien dann eine Prüfungskommission aus Vertretern der Wasserschutzpolizei und Beamten der Bezirksregierung. Nun mussten auch die Schiffsführer der Ruhrtalfähre beweisen, dass sie den Personenverkehr mit dem für sie noch ungewohnten Fahrzeug sicher beherrschen. Gleich 8 Fährleuten wurde dabei die Eignung bescheinigt. In 14 Tagen werden einige weitere Kandidaten geprüft.

Inbetriebnahme erfolgt schrittweise

Zur Zeit und in den kommenden Tagen werden die Mannschaften am neuen Schiff trainiert. Das größere Fahrzeug mit der höheren Passagierzahl stellt deutlich andere Ansprüche an den Ausbildungsstand der Fährleute, als die kleine Vorgängerin. Der Umgang mit zahlreichen schiffstechnischen Einrichtungen muss ebenso geübt werden, wie das Verhalten im Notfall und die Ausgabe der neuen Rettungsmittel.
Die bisherigen Testfahrten zeigten eine beeindruckende Leistungsfähigkeit des Schiffes. Die starken Motoren erlauben ein sicheres Manövrieren auch unter widrigen Umständen und erlauben es, das Schiff auf der Stelle zu drehen. Auch die Geschwindigkeit ist deutlich höher, als bei der kleinen Fähre. Um ein sicheres Manövrieren auf der ja nur 100m langen Fährstrecke zu garantieren, werden sich die Schiffsführer nun intensiv mit neuem Fahrverhalten vertraut machen, bevor sie auch regulär den Dienst übernehmen.

Auch hinter den Kulissen herrscht reger Betrieb. Die Vorbereitungen zum Einsatz der kleinen Hardenstein auf dem Kemnader See laufen auf Hochtouren und für die neue Fähre sind noch einige Entscheidungen zu treffen.
So sind beispielsweise die lang erwarteten Schiffsfenster endlich eingetroffen – nur leider die falschen. Die Frage ist nun, ob man diese eigens auf Maß angefertigten Fenster trotzdem einbaut, oder wochenlang auf Ersatz warten will.

Obwohl die neue Fähre schon voll einsatzbereit ist, wird sie daher erst schrittweise den Fährbetrieb übernehmen. Das Ziel der Ruhrtalfähre ist es dabei, wie bisher, stets die Sicherheit der Fahrgäste zu garantieren und einen reibungslosen Verkehr zu gewährleisten.
Wünschen wir also unserem neuen Flaggschiff eine glückliche Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel.

Christoph Heemann
Ruhrtalfähre
17.07.2010

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